Das Universalgenie: Wilhelm Leibniz

    Wer heute behauptet, er wisse alles oder sei fit in allen Wissensbereichen, der lügt. Das ist einfach nicht mehr möglich. Doch im 17. und 18. Jahrhundert lebten  so genannte "Universalgenies". Dies waren Menschen, die in vielen Wissensgebieten hervorragende Kenntnisse hatten und herausragende Leistungen hervorbrachten. Dazu zählte Gottfried Wilhelm Leibniz.

    Jedes Jahr vergibt die Deutsche Forschungsgemeinschaft einen Preis in Millionenhöhe, den Wissenschaftler zum Forschen nutzen dürfen. Und dieser Preis ist dem deutschen Physiker, Mathematiker, Theologen, Historiker, Politiker und Diplomaten Gottfried Wilhelm Leibniz gewidmet. Und das nicht ohne Grund.

    Ein großer Denker seiner Zeit und dieser Zeit weit voraus

    Leibniz war ein großer Denker seiner Zeit und in manchen Dingen seiner Zeit weit voraus. Ihn kennzeichnete sein freier Geist, seine Neugierde und sein Wille, sich nicht abhängig zu machen.

    Leibniz wurde 1646 geboren, also noch zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, und stammte aus Hannover. Schon früh trat sein Talent zutage, denn er lernte eifrig und war ein kleines Sprachgenie. Latein und Griechisch fielen ihm leicht - er brachte sich die beiden Sprachen schon als Kind selbst bei. Mit 15 Jahren begann er ein Studium der Philosophie. So wissensdurstig war er. Doch es blieb nicht bei den Sprachen, denn ihn interessierten genauso Mathematik, Physik, Astronomie und Philosophie. Mit 20 Jahren schon wollte er in Jura seinen Doktortitel erwerben, doch wurde er von den Professoren in Leipzig abgelehnt, mit der Begründung, Leipniz wäre zu jung. Aber so etwas konnte den jungen Wissenschaftler nicht aufhalten. Er bildete sich weiter in Bereichen wie Mathematik und Physik, in Astronomie, in der Mechanik.

    Leibniz' Ziel war immer, unabhängig forschen, lernen und lehren zu können.  So lehnte er auch eine Professorenstelle, die ihm im Alter von 20 Jahren angetragen wurde, einfach ab. Er glaubte nicht, sich in einem solchen Beruf entwickeln zu können.

    Doch von irgendetwas musste auch ein so genialer Kopf wie Leibniz leben. Letztlich arbeitete er an verschiedenen Höfen und fand dort Gönner, die seine wissenschaftlichen Arbeiten finanzierten. Er lebte am Hof von Mainz, in Hannover, aber auch in Wien und am Hofe von Zar Peter I. in Russland.

    Leibniz eröffnete den Weg für unseren modernen Computer

    Leibniz erfand eine Rechenmaschine für die vier Grundrechenarten und schrieb ein Zahlensystem auf, das im 20. Jahrhundert Wegbereiter für die modernste Technik unserer Zeit wurde: den Computer. Heute arbeiten wir mit dem dualen Zeichensystem, das Leipniz Anfang des 18. Jahrhunderts zum ersten Mal veröffentlichte.  Der Computer arbeitet nämlich nur mit zwei Zahlen, das nennt man dual, mit den Zahlen Null und Eins.

    Er erfand sogar ein Unterseeboot

    Aber damit nicht genug, Leibniz legte Pläne für ein Unterseeboot vor, erfand ein Gerät zur Bestimmung der Windgeschwindigkeit und eine besondere Rechenmethode: die Infinitesimalrechnung. Hier stritt er sich mit einem weiteren Gelehrten der Zeit - Isaak Newton  - wer denn als erster auf die Idee gekommen sei. Nebenher befasste er sich auch noch mit dem Unbewussten des Menschen.

    Die Wissenschaft war für Leibniz eine Einheit

    Für Leibniz war die Wissenschaft eine Einheit und alle Bereiche hingen für ihn irgendwie zusammen. Nur so war es auch möglich, dass er auf den verschiedenen Gebieten so herausragende Leistungen zustande brachte. Leibniz stand mit vielen Gelehrten und Wissenschaftlern seiner Zeit in Kontakt und schrieb viele Briefe. Ein großer Teil seiner Gedanken findet sich auch in diesen Briefen und zahlreichen Aufsätzen wieder, die der Gelehrte verfasst hat.

    Die Beste aller möglichen Welten

    Leibniz sprach von der "besten aller möglichen Welten". Doch was sollte das heißen? Für Leibniz gab es in der Welt das Gute und das Böse gleichzeitig. Beides war für ihn untrennbar. Für ihn lag die Aufgabe des Mensche darin, eben nach diesem Guten zu streben. Die Welt sollte sich ständig weiterentwickeln und am Ende zur "besten aller möglichen Welten" werden. So jedenfalls wünschte sich das Leibniz. Gar kein so dummer Gedanke. Aber der Mann war eben seiner Zeit weit voraus.